DIE NOSTRADAMUS-STORY

Michael von unserer Lieben Frau wurde im Jahre des Herrn 1503, am 14. Dezember beim Geläut der Mittagsglocken der nahegelegenen Kirche Sankt Martin, in dem südfranzösischen Ort St. Remy geboren.

Michel de Notredame ist der Erstgeborene von 17 Kindern, der sehr ehrenwerten und angesehenen Familie de Notredame. Die von vielen Nostradamus-Autoren geäußerte Ansicht, daß er in der Jugend sehr stark von seinem jüdischen Großvater väterlicherseits beeinflusst wurde, kann nicht richtig sein, denn dieser Großvater, der sich Pierre de Notredame nannte, war im Jahr 1503, als Michel geboren wurde, schon einige Jahre tot. Hingegen lebte der Großvater mütterlicherseits, Jaune de St. Remy, der als Leibarzt des in St. Remy residierenden »Königs von Jerusalem < Großvater Jaune, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits als Arzt zur Ruhe gesetzt hatte, dürfte sehr früh auf die Talente des kleinen Michel aufmerksam geworden sein. Später wird berichtet, dass Michel eine außerordentliche Begabung hatte:

Seine Merkfähigkeit soll phänomenal gewesen sein. Er brauchte Texte nur einmal zu überfliegen und konnte sie sofort auswendig wiederholen.

Mit 16 Jahren wurde er von seinen Mitschülern bereits als der junge Astrologe bezeichnet, weil er ihnen ständig die Geheimnisse und das Wesen von Kometen, Sternen und Stern-bildern erklären wollte, was auch damals für einen 16jährigen nicht ganz typisch gewesen sein dürfte.

Die heile Welt zerbricht

Es ist 1518 als der hochbetagte Jaune de St. Remy stirbt. Der Tod des Großvaters wird für den 15jährigen Michel zum ersten einschneidenden Ereignis seines Lebens.

Er ist etwa 16 Jahre alt, als er das Elternhaus in St. Remy verlässt und 1519 in die Weltstadt Avignon zu seiner Tante Margarete zieht, die mit einem Kunstma¬ler verheiratet ist.

Sein Onkel in Avignon konnte Michel an der Fakultät der schönen Künste unterbringen. Er studierte dort das Trivium, d.h. Grammatik, Rhetorik und Logik. Danach lernte er, den Gepflogenheiten seiner Zeit gemäß, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie, also die klassischen Fächer der Antike. Sein »Abitur< Das keineswegs lustige Studentenleben des Michel de Notredame

Es war keine gute Zeit, in der Nostradamus zu leben hatte. Wirklich, keine gute Zeit! Die Entdecker und Weltumsegler brachten Krankheit über Krankheit von ihren Reisen mit nach Europa und die Bevölkerung, die gegen diese Infektionskrankheiten keine Abwehrkräfte besaß, zahlte einen hohen Preis für die Erweiterung des europäischen Weltbildes.

So wütete 1520 wieder einmal eine Pest in Avignon. Die Fakultäten mussten ihre Vorlesungen einstellen, denn es gab keine Zuhörer mehr. Die Studenten waren in panischer Angst in alle Himmelsrichtungen geflohen.

Recht gut in das Bild würde schon eine mögliche Flucht in die Hochtäler der Pyrenäen passen, da wir Nostradamus ab 1521 als Student der Medizin in der damals bereits sehr bekannten Universitätsstadt Montpellier wiederfinden.

In Montpellier widmete er sich zuerst den Studien der theoretischen Medizin und der Philosophie, indem er die Schriften von Aristoteles durcharbeitete. Danach wendet er sich der Botanik und Pharmakologie zu und unternimmt mit Freunden tagelange Wanderungen in die Umgebung.

Nebenher widmet er sich, dem Zeitgeist der Renaissance entsprechend, den ins Lateinische übertragenen Schriften von Hippokrates und Galen. Auch standen ihm, wie allen anderen Studenten, die Schriften der arabischen Autoren zu Themen der Heilkunde zur Verfügung. Montpellier war in dieser Hinsicht, aufgrund seiner Nähe zu Spanien, besonders gut mit arabischer Literatur ausgestattet.

Kurze Zeit später, 1524 auf 1525, wütete schon wieder eine Pest. Nostradamus verlässt – wie seine Kommilitonen – erneut Montpellier und geht nach Narbonne, später nach Toulouse und Bordeaux, um seine erste Feuerprobe als Heilgehilfe zu bestehen. An ein vernünftiges, zusammenhängendes Medizin-Studium ist nicht mehr zu denken. Die Angst vor Krankheit und Tod beherrscht die Studentenszene. Man setzt sich erneut ab.

Andererseits waren aber die Einsätze an der Pestfront, an denen man als Student recht ordentlich mitverdienen konnte, die einzige Möglichkeit, Beobachtungen an Kranken und den Symptomen ihrer Krankheit und ihres Todes, sowie der Verläufe von Gesundungsprozessen zu machen.

Wir sollten uns davon freimachen daran zu glauben, dass die Studenten von 1525 fromme Klosterbrüder waren. Abenteuer, Duelle, Suff waren auch damals in. Und Geld brauchte man auch damals dafür. Und das galt, allen Glorifizierungsversuchen zum Trotz, auch für Nostradamus. 1529 kann er endlich wieder nach Montpellier zurückkehren, um sein Medizin-Studium fortzusetzen.

Etwa zu dieser Zeit ist auch ein gewisser Rabelai, der Michel de Notredame später stark beeinflussen wird, in Montpellier, um den Doktorgrad der Medizin zu erwerben.

Wir gehen jedenfalls davon aus, dass:

– Franz Rabelais und Michel de Notredame sich fast zur gleichen Zeit in Montpellier aufhielten und das

– Michel de Notredame später die Idee der Herausgabe von Almanachen von Rabelais übernimmt.

Unsere Ansicht wird gestützt von der Tatsache, dass es zwischen den Romanen von Rabelais: Pantagruel und Gargantua und den Versen der Centurien von Nostradamus Parallelen gibt, die nur auf gemeinsamem Ideengut basieren können. Sie haben den gleichen mathematischen Nenner, der dechiffrierbar ist.

Von Nostradamus wird berichtet, dass er sich in Nord-frankreich, angeblich auch in Köln, aufgehalten hat. Man findet seine Spuren in Toulouse, wo er sich Geld mit der Herstellung von Kosmetika, Parfüm, potenzsteigernden Mittelchen und Verjüngungselixieren verdiente. Danach finden wir ihn gegen 1533 in Agen.

Das erste Geheimnis um Nostradamus

In Agen lebte ein Mann namens Julius Cesare de L’Escalle, besser bekannt unter dem Namen Scalinger – nicht zu ver-wechseln mit seinem Sohn, der als Mathematiker später bekannt wurde. Wir sollten uns schon hier merken, dass Nostradamus später seinen ältesten Sohn aus zweiter Ehe Cesar nennen wird!

Scalinger war Leibarzt eines Bischofs, Mathematiker und Astrologe. Er soll, genau wie Rabelais, mit Erasmus von Rotterdam in Kontakt gestanden haben.

Bei Scalinger in Agen vertiefte Nostradamus, das ist über-liefert, seine lateinischen und griechischen Sprachkenntnisse. Agen war aber auch einmal Hochburg einer Sekte: Katharer nannte man sie, in Ableitung vom italienischen Gazzari für Ketzer! Und diese Ketzer besaßen angeblich das Original der Offenbarungen des Johannes in griechischer Sprache. Es galt damals als das Geheimbuch der Katha¬rer.

Ist dies der Schlüssel zum Verständnis des späteren Lebenswerkes des Michel de Notredame? Wir meinen: Ja!

Wen die Götter lieben, den schlagen sie

Nostradamus wird vom Schicksal geschlagen. Laut Chauvingy, einem engen Freund, der später eine Kurzbiographie des Sehers von Salon veröffentlicht, (wir beziehen uns im wesentlichen auf seine Ausführungen), heiratet er in Agen ein sehr hübsches, liebenswertes Mädchen aus gutem Hause. Die junge Frau schenkt ihm im Verlauf der nächsten Jahre zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn.

Das junge Glück dauert leider nicht lange, denn Nostradamus muß hilflos zusehen, wie seine eigene kleine Familie in ganz kurzer Zeit einer Infektionskrankheit zum Opfer fällt. Die Frau und die beiden Kinder sterben – vermutlich an der ersten Diphteriewelle, die von den Amerikafahrern nach Europa eingeschleppt worden war – kurz hintereinander.

Im Zusammenhang mit einem Prozess dürfte Nostradamus dann auch noch Ärger mit der Inquisition in Agen bekommen haben. Möglicherweise steckten die enttäuschten oder aufge¬brachten Schwiegereltern dahinter, die einen Teil der noch nicht ausgezahlten Mitgift nicht herausgeben wollten. Wichtig für uns ist, dass die Vorgänge in Agen und die quasi Flucht vor der Inquisition viele Nostradamus-Autoren auf den Gedanken brachte, dass er seine Centurien später, aus Angst vor dem Kirchengericht, verschlüsselt hat. Wir sind der Meinung, dass das nicht stimmt. Nostradamus war nie in echter Gefahr, von der Inquisition ergriffen zu werden!

Nach dem Tode seiner Familie flippte, wie man heute sagen würde, der junge Witwer aus. Er begann ein Vagabundenleben zu führen.

Es ist 1518 als der hochbetagte Jaune de St. Remy stirbt. Der Tod des Großvaters wird für den 15jährigen Michel zum ersten einschneidenden Ereignis seines Lebens.

Er ist etwa 16 Jahre alt, als er das Elternhaus in St. Remy verlässt und 1519 in die Weltstadt Avignon zu seiner Tante Margarete zieht, die mit einem Kunstmaler verheiratet ist.

Sein Onkel in Avignon konnte Michel an der Fakultät der schönen Künste unterbringen. Er studierte dort das Trivium, d.h. Grammatik, Rhetorik und Logik. Danach lernte er, den Gepflogenheiten seiner Zeit gemäß, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie, also die klassischen Fächer der Antike. Sein »Abitur<

Das keineswegs lustige Studentenleben des Michel de Nostredame

Es war keine gute Zeit, in der Nostradamus zu leben hatte. Wirklich, keine gute Zeit! Die Entdecker und Weltumsegler brachten Krankheit über Krankheit von ihren Reisen mit nach Europa und die Bevölkerung, die gegen diese Infektionskrankheiten keine Abwehrkräfte besaß, zahlte einen hohen Preis für die Erweiterung des europäischen Weltbildes.

So wütete 1520 wieder einmal eine Pest in Avignon. Die Fakultäten mussten ihre Vorlesungen einstellen, denn es gab keine Zuhörer mehr. Die Studenten waren in panischer Angst in alle Himmelsrichtungen geflohen. Recht gut in das Bild würde schon eine mögliche Flucht in die Hochtäler der Pyrenäen passen, da wir Nostradamus ab 1521 als Student der Medizin in der damals bereits sehr bekannten Universitätsstadt Montpellier wiederfinden. In Montpellier widmete er sich zuerst den Studien der theoretischen Medizin und der Philosophie, indem er die Schriften von Aristoteles durcharbeitete. Danach wendet er sich der Botanik und Pharmakologie zu und unternimmt mit Freunden tagelange Wanderungen in die Umgebung.

Nebenher widmet er sich, dem Zeitgeist der Renaissance entsprechend, den ins Lateinische übertragenen Schriften von Hippokrates und Galen. Auch standen ihm, wie allen anderen Studenten, die Schriften der arabischen Autoren zu Themen der Heilkunde zur Verfügung. Montpellier war in dieser Hinsicht, aufgrund seiner Nähe zu Spanien, besonders gut mit arabischer Literatur ausgestattet. Kurze Zeit später, 1524 auf 1525, wütete schon wieder eine Pest. Nostradamus verlässt – wie seine Kommilitonen – erneut Montpellier und geht nach Narbonne, später nach Toulouse und Bordeaux, um seine erste Feuerprobe als Heilgehilfe zu bestehen. An ein vernünftiges, zusammenhängendes Medizin-Studium ist nicht mehr zu denken. Die Angst vor Krankheit und Tod beherrscht die Studentenszene.

Pestarzt Michel de Notredame

In Aix war die Pest ausgebrochen. Nostradamus geht nach Aix en Provence und betätigt sich dort als Pharmahersteller. Er gibt genaue Anweisungen, wie die Krankheit zu bekämpfen ist. Ferner produziert er eine Art Puder, das aus blauem Ambra und Rosenöl besteht. In gleicher Zusammensetzung bereitet er Lutschpa­stillen. Der Puder ist ständig in die Kleider zu streuen, die Lutschpastillen sind laufend im Mund zu halten. Aix wird von der Pest befreit.

Solche Erfolge sprechen sich schnell herum und Michel de Notredame erhält aus Salon, einem kleinen Ort, etwa eine Tagesreise von Aix entfernt, den Ruf um Hilfe. Auch hier wieder das bereits beschriebene Vorgehen, und Salon ist von der Pest frei. Inzwischen hat die Erkrankungswelle die große Stadt Lyon erreicht und Nostradamus begibt sich dorthin, um seinen bewährten Puder und die Lutschpa­stillen zu verkaufen.

Eine neue Chance

Zurück aus Lyon, beginnt sich Nostradamus 1547 mehr und mehr an den bereits vorhin beschriebenen Ort Salon (de Crau) zu binden. In Salon hatte sich einer seiner Brüder, Bertram de Notredame, mit seiner Frau Thominee niederge­lassen. Bertram war Stadthauptmann und es ist durchaus denkbar, dass er für alle zukünftigen Pestereignisse einen vorzüglichen, erfahrenen Medicus an seine Stadt binden wollte.

Gleichzeitig könnte es seine Absicht gewesen sein, dem entwurzelten Nostra­damus wieder eine neue Heimat zu geben. Jedenfalls und das ist überliefert, fädeln er und seine Frau unter Nutzung ihrer Verbindungen für Nostradamus die Bekannt­schaft mit einer jungen, kinderlosen Witwe aus guter Familie ein. Das war damals ein durchaus üblicher Vorgang.

Die Zeiten waren kurzlebig, die Ehegatten rar, also geziemte es sich durchaus, daß man auch mit hohem Altersunterschied zusammenging.

Anne Ponsard, Tochter von Pascale und Thomase Arnaud wird fortan zum eigentlichen Schicksal für Michel de Notredame.

Am 11. November 1547 wird der Heiratsvertrag geschlossen:


Sie bringt 400 Florin und noch ein weiteres Vermögen ein; er bringt 300 Ecus d’or von seinem Onkel Pierre de Notredame ein, die nach dessen Tode fällig sind.

 

Nostradamus muss zur Zeit seiner Eheschließung unvermö­gend gewesen sein und dass, trotz seiner Erfolge als Pestarzt. Dieser Umstand spricht sehr für die Annahme, dass er bis zu seiner Verheiratung mit Anne ein recht lockeres Leben führte.

Es ist überliefert, dass ihm sein Onkel Pierre im Ehevertrag zusicherte, dafür zu sorgen, dass er standesgemäße Kluft und ein Pferd für die Ausübung seiner Tätigkeit als Arzt bekam.

Die Hochzeit wurde am 26. November 1547 gefeiert. Aus der Ehe gingen ins­gesamt sechs Kinder hervor, drei Söhne und drei Töchter:

    1551 Tochter Madeleine

   1553 Sohn Cesar

   1556 Sohn Charles

   1557 Sohn Andre

   1558 Tochter Anne und

   1561 Tochter Diane.

 

Eine Eintragung im Stadtregister von Salon besagt:

daß Dr. Nostradamus, wohlbekannt in Salon, im Quartier Ferreiroux nach seiner Hochzeit mit Anne Ponsard ein Haus gekauft hat, daß sich an der Angrenzung von Herrn Estienne Lasalle und dem Haus des Ketzers Genette Tessier befindet.

Päng! Das sitzt! Sie wissen, dass Nostradamus Umgang mit Scalinger, Rabelais und anderen freien Geistern pflegte, und dass wir vorhin bereits über die Katha­rer (italienisch Gazzari=Ketzer) nachdachten.

Der Bestsellerautor

Ab 1550 beginnt Nostradamus in regelmäßigen Abständen kleine Schriften zu veröffentlichen. Ratschläge, wie man gesund bleiben kann, wie man Potenzmittel herstellt, Marmelade einkocht und dergleichen mehr.

 

Er gibt Almanache, die in dieser Zeit sehr beliebt waren, heraus. Sie enthielten meist Prognosen für das nächste Jahr, für Wetter, Ernte, Krieg und Frieden, Pest und Kometenerschei­nungen als Unglückskünder. Seine Schriften entpuppten sich als Bestseller im heutigen Sinne des Wortes.

Die berufliche Verquickung von Arzt und Astrologe – Heiler und Lebensbe­rater, Arzt und Psychiater war für die besseren Kreise im Mittelalter durchaus üblich gewesen, denn in der Renaissance versuchten die Ärzte stets, die Krank­heiten unter Berücksichtigung des Einflusses der Sterne und deren Konstellationen zu heilen.

Von noch einer Besonderheit des Dr. Nostradamus wird berichtet. Er schlief nur wenig. Meist nur vier Stunden am Tag. Des Nachts saß er auf dem Dach seines Hauses und beobachtete die Sterne und tagsüber beriet er die Kranken. War das nicht eine Superwerbung für den Doktor, wenn die ganze Stadt Salon ihn Nacht für Nacht auf seinem Astroausguck sehen konnte?

Tatsache ist, dass von 1550 an bis zu seinem Tode Jahr für Jahr Almanache, also von ihm vorausberechnete Vorhersage­bücher, so wie wir sie von Rabelais und Scalinger vordem kannten, erschienen. Und mit diesen Almanachen wurde auch sein Künstlername

N o s t r a d a m u s

bekannt. Hier der Titel eines solchen Almanachs:

Almanach vom Jahre 1550,

mit den Vorhersagen und Berechnungen und Erklärungen

von

Michel NOSTRADAMUS,
Arzt und Astrologe in Salon de Crau en Provence.

 

Unter diesem Titel befand sich dann in etwas kleinerem Format jeweils ein Vierzeiler, der eine Prophezeiung für das kommende Jahr enthielt.

Ein Exemplar eines solchen Almanachs befindet sich in der Bibliothek Arbaud in Aix en Provence. Es ist für das Jahr 1563 bestimmt und wurde von Pierre Roux in Avignon gedruckt.

Ab 1554 fing Nostradamus an, parallel zu den Almanachen, eine Serie von Broschüren herauszugeben, die nur Vorhersagen enthielten. Der Titel lautete:

Die großen Vorhersagen
geschaffen durch Michel de Nostradamus
Arzt in Salon de Crau en Provence

 

Auch ein solches Exemplar ist der Nachwelt erhalten geblieben und befindet sich in der bereits erwähnten Bibliothek Arbaud. Die Titelseite ist mit einem astrologischen Symbol und den Tierkreiszeichen bebildert. Erschienen ist diese Ausgabe 1557 in Paris bei Jacques Kerver.

Das Buch der »Wahren Prophezeiungen des M. Nostradamus«

Der 1. März 1555 ist das für uns interessanteste Datum in der ganzen Nostra­damus – Story. Auf diesen Tag datiert Nostradamus die Vorrede an seinen Sohn Cesar für die erste Auflage der 1555 bei Mace Bonhomme erschienenen Prophe­zeiungen. Es ist eine, wie wir heute wissen, Teilveröf­fentlichung. Sie enthält die ersten drei Centurien und die vierte Centurie bis zum 53. Vers.

Innerhalb kurzer Zeit gibt es drei Auflagen dieses Werkes, bis am 3. November 1557 die vierte, erweiterte Auflage, nun mit insgesamt sieben Centurien, erscheint. Diesmal bis zum 42. Vers der VII. Centurie.

Erfolg verhilft zu Aufsehen! Und so bleibt es nicht aus, dass der französische Hof auf Nostradamus aufmerksam wird, zumal der Prophet, ähnlich unserer heu­tigen Klatschpresse, die Herrschenden und Regierenden in seinen Prophezeiungen erwähnt. Und da er dies in seiner Art, in doppelsinnigen Versen, für die Leser vermeintlich positiv tut, blieb es nicht aus, dass das herrschende französische Königspaar auf ihn aufmerksam wurde.

Heinrich II. war zu dieser Zeit König in Frankreich und Katharina von Medici seine Frau. Katharina scheint eine der ersten Ausgaben der Prophezeiun­gen des Nostradamus gelesen zu haben und schrieb an den königlichen Statthalter in der Provence, Graf Claude de Tande, dass „der König diese Person zu sehen wünscht!“

De Tande, der Nostradamus sehr schätzte, überbrachte die Einladung des Königs, so dass Nostradamus sich bereits am 14. Juli 1555 auf den Weg machte und über Lyon nach Paris reiste, wo er am 15. August, zu Maria Himmelfahrt, eintrifft. Unmit­telbar nach seiner Ankunft schickt der König persönlich den Hofmarschall Anne de Montmorency in die Herberge, damit er den Astrologen für seine Auftritte bei Hofe vorbereitet. Dieser Vorgang lässt eins erkennen: Nostradamus genoss bereits ein besonders großes Wohlwollen in der königlichen Familie, denn sie war offensichtlich bemüht, dem Doktor aus der Provinz pein­liches Fehlverhalten und Verstöße gegen die Etikette am Hofe zu ersparen. Man wollte ausschließen, dass Dr. Nostradamus sich lächerlich machte.

Die erste Audienz bei Hofe fällt für Nostradamus sehr posi­tiv aus. Der König und die Königin sind tief beeindruckt und honorieren Nostradamus mit jeweils 100 Ecus d’or. Ein damals traumhaftes Honorar!

 

Gift oder Gicht?

In Paris erkrankte Nostradamus sehr schwer. Unklar ist, ob er vor oder nach seiner Erkrankung Wohnsitz bei einem Kardi­nal nehmen durfte. Bekannt ist nur, dass Nostradamus infolge „einer Magenverstimmung“, – andere Autoren, auch sein Sohn Cesar meinen, dass es ein Gichtanfall war – für 10 bis 11 Tage ans Bett gefesselt war und sein Zimmer nicht verlassen konnte.

Berücksichtigt man den Neid, die Missgunst und die poli­tischen Interessen der Höflinge, denkt man auch einmal daran, dass es ja Leibärzte des Königs, Astrolo­gen des Königs und der­gleichen schon genug am Hofe gab, so dass dieser Kerl aus der Provinz, den bereits bei Hofe etablierten Fachkollegen allenfalls die Schau stehlen konnte, dann liegt der Verdacht nahe, dass auf Nostradamus ein Giftanschlag verübt wurde.

Giftanschläge, sei es auf Könige oder andere Personen, konn­ten in der dama­ligen Zeit von den Ärzten nicht eindeutig und mit Sicherheit nachgewiesen wer­den. Selbst wenn der Ver­dacht der Experten nahe lag, so war es für die Wissen­den lebensgefährlich, darüber zu sprechen. So hat man Giftanschläge im Interesse der weiterlebenden Mehrzahl aller Beteiligten nie als solche bezeichnet.

Allgemein üblich war jedoch, für solche Fälle von Typhus, Magenbeschwer­den, Agonie zu sprechen und es gibt eine Reihe Prominenter in der Vergangen­heit, die mit solchen Diagnosen ihren Thron oder was sie sonst zu hinterlassen hatten, an inte­ressierte Nachkommen oder Konkurrenten abtraten.

Auch wenn der Sohn Cesar von einem Gichtanfall spricht, so kann man nicht ganz ausschließen, dass er es aus Höflichkeit getan hat, denn es wäre dem fran­zösischen Königshof gegenü­ber sehr unhöflich gewesen, wenn der Sohn behauptet hätte, sein Vater sei, als Gast des Königs beinahe einem Giftmord zum Opfer gefallen!

Nach den überlieferten Berichten muss Nostradamus während dieser elf Tage furchtbar gelitten haben. Ein Gichtanfall ist sicher eine sehr, sehr schmerzhafte Angelegenheit, aber kein so furchtbares Leiden. Das Überleben dieses Giftanschlages, vermutlich wusste es jeder, keiner sprach darüber, musste für Nostradamus der eigentliche Durchbruch gewesen sein, denn:

ein Arzt und Lebensberater, der eine Gegenmedizin gegen Giftanschläge besitzt, schließlich überlebte er einen solchen Gift­anschlag, muss ein Könner seines Faches sein. Solch ein Experte wird sofort, überall und von jedermann anerkannt.

 

Der Ruhm wächst – das Vermögen auch

Astrologe des Königs! Welche Karriere! Die Gunst des Königs vergoldeten die Höflinge auf ihre Weise. Um die Köni­gin und den König in ihren Residenzen und Palästen begrüßen zu können, veranstalteten sie große Feste zu Ehren des Propheten. Andere Adelige bestellten für sich und ihre Familien Horoskope. Verständlich, dass man den Propheten des Königs besonders zuvorkommend behandelte und dementsprechend großzügig bezahlte.

Als Nostradamus schließlich die Heimreise nach Salon antritt, führt er ein großes Vermögen an Goldstücken und Juwelen mit sich. Wie musste es dem Manne zumute gewesen sein? Musste er, nachdem er die allerhöchste Gunst des Königs genoss, die Inquisition wahrlich fürchten? Nein, wir glauben nicht.

Dies ist aber eine sehr entscheidende Frage, die von vielen Nostradamus – Autoren stets bejaht wurde. Erfolgte die Ver­schlüsselung der Prophezeiungen aus Angst vor der Inquisition? oder gab es andere Gründe für die Codierung. Wir werden diese Gründe nennen!

In Salon hatte sich jedenfalls der Erfolg von Nostradamus herumgesprochen und er wird bei seiner Rückkehr begeistert gefeiert.

1559 stirbt Heinrich II. Sein Bruder Franz II. regiert für ein knappes Jahr Frankreich. Nostradamus hatte inzwischen zahlreiche Auflagen seiner Prophezei­ungen verkauft und die Verse auf fast sieben Hundertschaften erweitert.

Eine überlieferte Probe der Seherkunst

Inzwischen ist es in Salon 1561 geworden. Die Auseinander­setzungen zwischen Protestanten und Katholiken erreichen ihren Höhepunkt. In Salon rückt Graf von Crussol, Kommandant Karls IX. ein, um an der Spitze eines Heeres die Katholi­ken in der Provence zu unterstützen. Natürlich konsultiert er den Seher, der ihm weissagt:

„Wenn die Bäume mit neuen Früchten beladen sein werden, würde seine Aufgabe beendet sein.“

 

Ganz klar, was der Graf für sich interpretierte:

Im Herbst bin ich Sieger!

Es kam, wie bei Orakeln üblich, anders: Als der Graf nach Aix einrücken wollte, wurde er von protestantischen Einwoh­nern, die sich auf Bäumen versteckt hatten, angegriffen und vernichtend geschlagen.

Nicht Nostradamus besucht die Könige – die Könige besuchen Nostradamus

Im Herbst 1564, also 2 Jahre vor seinem Tod, wird Nostradamus von Karl IX. in Salon besucht. Der Bericht eines Höflings lautet:

Der König hielt sich drei Wochen in Salon auf. Am 16. Ok­tober 1564 speiste er im Chateau Renard, in St. Remy und schlief dort. Am nächsten Tag begab er sich auf den Weg nach Salon.

Ihre Majestät kam dort am selben Tag des 17. Oktober, um drei Uhr nachmit­tags an. Ihre Majestät wurde krank. In Ihrer Begleitung befanden sich 500 Per­sonen. Die kleine Stadt war viel zu eng für so viele anspruchsvolle Gäste, so dass die Unter­bringung des Einzelnen eine einzige Katastrophe war.

 

Die Prophezeiungen, die Nostradamus dem noch sehr jungen König und seiner Mutter Katharina von Medici verkünden konnte, waren für diese offenbar sehr zufriedenstellend, so dass er wieder mit einem kleinen Vermögen überschüttet wurde.

Nostradamus war krank. Laut seinem Sohn litt er unter Rheuma, Gicht und Arteriosklerose und wurde immer vergesslicher und debiler. Die Symptome waren nicht mehr mit den damals zur Verfügung stehenden Arzneien in den Griff zu bekommen, die Wassersucht schritt immer weiter fort, so dass Nostradamus wohl seinen Tod nahen fühlte.

Das Testament des Dr. Nostradamus

Nach eigenen schriftlichen Anmerkungen in den Prophezeiungsversen unter­nimmt er eine letzte Reise ins 35 Kilometer entfernte Arles, wo der König von Jerusalem resi­diert. Ihm, so schreibt er, gibt er etwas zurück, was er nicht näher bezeichnet und kehrt nach Salon heim. Es scheint aber etwas Besonderes gewesen zu sein, denn warum sollte er sonst als totkranker Mann eine so beschwerliche Reise auf sich nehmen. Auch diese Tatsache wird uns eines Tages noch beschäftigen.

Am 17. Juni 1566 bestellt Nostradamus den Notar M. J. Roche zu sich. Nach einer Vorbesprechung wird das Testament ausgefertigt. Seine engsten Freunde werden zu Testa­mentsvollstreckern erklärt, denn die Kinder sind zu diesem Zeit­punkt 16, 13, 11, 9, 6 und 3 Jahre alt.

Das Vermögen, das Nostradamus aufteilen kann, ist beträcht­lich. Nach heutigen Wertmaßstäben ist er ein Multimillionär. Drei Tage, nachdem er sein Testament gemacht hatte, versam­melte Nostradamus nochmals alle Menschen, die er noch einmal sehen wollte, um sich.

Cesar, sein Lieblingssohn, erhielt von ihm persönlich sein astronomisches Be­steck und seine Jahrestafeln aus Gold. Auch alle anderen Anwesenden bekamen kleine Erinnerungsgaben.

Nachdem er bei Pater Vidal, Abt der Barmherzigen Brüder in Salon, gebeichtet hatte, erhielt er von diesem die heiligen Sterbesakramente der römischen Kirche.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1566 stirbt Nostradamus. Sein Sohn Cesar findet ihn bei Sonnenaufgang in seinem Arbeitszimmer. Noch am gleichen Tage wird Nostradamus in einer feierlichen Prozession ins Kloster der barmherzigen Brüder gebracht und dort in der alten, ehrwürdigen Klosterkirche, wo er sich schon zu Lebzeiten ein Grab gekauft hatte, beigesetzt. Seine Witwe ließ eine Grabplatte nach italienischem Vorbild anbringen:

D.O.M.

Clarissimi ossa michaelis nostradami unius omnium mortalium iudicio digni civis pene divino calamo totius orbis ex astrorum influxu futuri eventus conscri­berentur. Vixit annos LXII menses VI dies XVII. obiit salone anno MDLXVI quietem posteri ne invidete.

Anna Pontia Gemella salonia coniugi optat v. felicit.

Anna stirbt 16 Jahre und 17 Tage später.